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Chemische Kampfstoffe


Chemische Kampfstoffe

Zusammengestellt von Axel Diefenbach

Chemische und biologische Waffen sind relativ einfach und billig herzustellen, besitzen jedoch eine enorme Wirkung. Kleinste Menge genügen, um tausende von Menschen zu töten! Es ist daher nicht verwunderlich, dass gerade ärmere Länder auf solche Waffen zurückgreifen. [Lit. 1]

Übersicht:

Geschichtliche Entwicklung

Der Beginn der Verwendung chemischer Kampfstoffe kann vielleicht auf den 22. April 1915 angesetzt werden. Damals wurde im Ersten Weltkrieg auf Ypern Chlorgas eingesetzt, mit einer Folge von ca. 5000 Toten und 10000 Versehrten auf französischer Seite. [Lit. 3]

Die im Ersten Weltkrieg eingesetzten Kampfstoffe wurden nach der farblichen Kennzeichnung der Munition eingeteilt: [Lit. 3]

  • Blaukreuz-Kampfstoffe werden vornehmlich über die oberen Atemwege wirksam. Beispiele sind: Diphenylarsinchlorid (Clark I, DA), Diphenylarsincyanid (Clark II, DC).
  • Grünkreuz-Kampfstoffe sind Lungengifte: Phosgen (CG), Palite
  • Gelbreuz-Kampfstoffe greifen die Haut und die Schleimhäute an: Senfgas (Lost, Yperit, HD), Lewisit
  • Weißkreuz-Kampfstoffe war die Bezeichnung für Augen- und Tränenreizstoffe wie Chloracetophenon (CN, wirksamer Bestandteil der "chemischen Keule") oder (2-Chlorbenzyliden)-malonsäuredinitril (CS).

Der nächste Schritt in der Entwicklung chemischer Kampfstoffe wurde 1937 durch die Entdeckung eingeleitet, das einige Phosphororganische Verbindungen das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) hemmen, und daher neurotoxische Eigenschaften besitzen [Lit. 3]:
Für die Übertragung von Nervenimpulsen muss zum einen ein Neurotransmitter von der sog. präsynaptischen Faser in den synaptischen Spalt abgegeben werden, zum anderen muss dieser auch freie Rezeptoren an der postsynaptischen Membran vorfinden. Indem der Neurotransmitter an die Rezeptoren bindet löst er eine nervöse Erregung aus. Damit ein neuer Nervenimpuls übertragen werden kann, muss der Neurotransmitter den Rezeptor wieder verlassen. Ein Neurotransmitter ist das Acetylcholin. Hat sich dieses an einen entsprechenden Rezeptoren gebunden, so wird es innerhalb von einigen Millisekunden durch das Enzym Acetylcholinesterase (AChE), das in der prä- und postsynaptischen Kembran lokalisiert ist, zu Cholin und Acetat abgaut, und gibt somit den Rezeptor wieder frei. [Lit. 2, S. 87]

Daraus folgt, dass dieser Prozess an mehreren Stellen gestört werden kann [Lit. 2, S. 87], unter anderem durch

  • Hemmung der Freisetzung der Neurotransmitter
  • Blockierung der Rezeptoren
  • Blockierung der abbauenden Enzyme wie AChE

Durch eine Hemmung des abbauenden Enzyms können die Nervenimpulse nicht mehr übertragen werden. Die wichtigsten Vertreter dieser Kampfstoffklasse sind Sarin, Soman und Tabun, sowie das in der USA entwickelte VX.

Auch einige Wirrstoffe (Psychopharmaka) wie Lysergsäurediethylamid lassen sich als Kampfstoffe verwenden.

Die verheerenden Folgen des Einsatzen von Giftgasen wurde im Ersten Weltkrieg überaus deutlich. Daher wurde in dem Genfer Protokoll betreffend das Verbot der Anwendung von Giftgasen und bakteriologischen Mitteln der Gebrauch von chemischen und biologischen Kampfstoffen international geächtet. Jedoch, wie an dem unten angegebenen Vetragstext zu erkennen ist, betrifft das Abkommen nicht die Herstellung und die Bereitstellung von chemischen und biologischen Kriegsmaterial. Daher kam es zu keiner wirklichen Ächtung dieses Kriegsmaterials.

Im Zweiten Weltkrieg wurden chemische oder biologische Waffen nicht eingesetzt, obwohl sie vorhanden waren. Vielleicht spielte dabei eine Angst vor Vergeltungsschlägen gleicher Art ein Rolle. [Lit. 5]
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete man in Genf an einem Verbot chemischer Waffen. Jedoch wurde der erste Vertragsentwurf erst 1984 vorgelegt, der als Auftakt in echte Verhandlungen angesehen wurde. Am 13. Januar 1993 wurde schließlig in Paris das Chemiewaffen-Übereinkommen (CWÜ) aufgelegt und bis Jahresende 1996 von 160 Staaten unterzeichnet. Gegenüber dem Genfer Giftgasprotokoll wurden chemische Waffen nun vollständig geächtet: es verbietet die Entwicklung, Herstellung, Beschaffung, Lagerung und den Einsatz von Chemiewaffen und schreibt die Vernichtung aller Chemiewaffenbestände und der Anlagen zur Produktion vor. Zur Verwirklichung des Übereinkommens wurden eigene Organisationen geschaffen. [Lit. 5]
Mit Inkrafttreten des Chemiewaffen-Übereinkommens nimmt die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) ihre Tätigkeit, nämlich die Überprüfung des Einhaltens des Vertrages, auf.

Auch bezüglich biologischen Waffen wurden entsprechende Übereinkommen geschaffen: das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen (BWÜ) trat 1975 in Kraft, bis Ende 1996 gehörten ihm 139 Staaten an. Da das Übereinkommen jedoch keine Vorschriften zur Kontrolle der Einhaltung enthält, setzt sich seit 1980 die Bundesrepublik für eine entsprechende Ergänzung des Übereinkommens ein. [Lit. 6]

Die hohe Akzeptanz solcher Übereinkommen zeigt einen großen gemeinsamen Nenner gegenüber der Einstellung über chemischen und biologischen Waffen. Jedoch ist eine internationale Kontrolle der Herstellung von chemischen und biologischen Kampfstoffen problematisch, da diese zum Teil sehr einfach mit im Handel öffentlich zugänglichen Mitteln zu produzieren sind. [Lit. 3] Dass dies ausgenutzt wurde, zeigen lokale Konflikte, gerade in jüngerer Zeit, in denen chemische Kampfstoffe eingesetzt wurden [Lit. 3], so im Golfkrieg [Lit. 1] oder beim Anschlag der Sekte Aum Shinrikyo in Tokyo am 20.3.1995. [Lit. 1]

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Genfer Protokoll betreffend das Verbot der Anwendung von Giftgasen und bakteriologischen Mitteln

(17.6.1925) [Lit. 4]

    1. Das Protokoll verbietet den Vertragsstaaten die Anwendung von Giftgasen und bakteriologischen Mitteln. Seine Regelung ist aber wohl auch gewohnheitsrechtlich bindend, so dass das Verbot auch für die Staaten gilt, die dem Protokoll nicht beigetreten sind (z.B. USA und Japan). Es wird ferner die Auffassung vertreten, dass das Protokoll wegen der radioaktiven Strahlung auf den Gebrauch von Kernwaffen entsprechend anzuwenden ist.

    Der Beitritt zu dem Protokoll steht allen Staaten offen.

    2. die Präambel nennt als Motive des Vertrags:

    1) die Erwägung, daß die allgemeine Meinung der zivilisierten Welt es mit Recht verurteilt habe, erstickende, giftige oder gleichartige Gase sowie ähnliche Flüssigkeiten, Stoffe oder Verfahrensarten im Kriege zu verwenden;
    2) die Erwägung, daß das Verbot dieser Verwendung in den Verträgen ausgesprochen worden ist, an denen die meisten Mächte der Welt beteiligt sind;
    3) die Absicht, eine allgemeine Anerkennung dieses Verbots, das eine Auflage für das Gewissen wie für das Handeln der Völker bildet, als einen Bestandteil des internationalen Rechts zu erreichen.

    3. Der eigentliche Vertragstext besteht aus zwei Sätzen, die an die Präambel anschließen:

"Die Hohen Vertragsschließenden Parteien erkennen, soweit sie nicht schon Verträge geschlossen haben, die diese Verwendung untersagen, dieses Verbot an. Sie sind damit einverstanden, daß dieses Verbot auch auf die bakteriologischen Kriegsmittel ausgedehnt wird, und kommen überein, sich untereinander an die Bestimmungen dieser Erklärung gebunden zu betrachten."

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Einige chemische Kampfstoffe

An dieser Stelle sollen einige chemische Kampfstoffe näher betrachtet werden:

  1. Senfgas (Bis(2-chlorethyl)sulfid , Lost, Yperit, HD)
  2. Die Nervengase Sarin, Soman und Tabun
  3. Das Nervengas VX

Senfgas (Bis(2-chlorethyl)sulfid , Lost, Yperit, HD)

Senfgas ist leicht herzustellen. Es wurde im ersten Weltkrieg verwendet, aber auch vom Irak zur Bekämpfung iranischer Soldaten und kurdische Zivilisten. [Lit. 1]
Es wird von der Haut gut absorbiert und füht schnell zu folgenden Vergiftungserscheinungen: innere Blutungen, verminderte Herzleistung, Entzündungen der Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes. [Lit. 2, S. 242] Eine kanzerogene Wirkung beim Menschen ist nachgewiesen. [Lit. 2, S. 243] Die Bezeichnung Lost leitet sich von den deutschen Chemikern Lommel und Steinkopff ab, die an der Entwicklung beteilgt waren. [Lit. 3]

Die Nervengase Sarin, Soman und Tabun

Am 20.3.1995 vollführte die Sekte Aum Shinrikyo in 16 Stationen der Tokyoer U-Bahn einen Anschlag mit Sarin, einem Nervengas. Dabei fanden 10 Menschen den Tod, ca. 4500 wurden verletzt.
Sarin, Tabun und Soman sind leicht flüchtige Verbindungen, die das Enzym Acetylcholinesterase hemmen. Die letale Dosis von Tabun beträgt für den Menschen etwa 400 mg*min/m3, die von Sarin etwa 100 mg*min/m3. [Lit. 2, S. 223]
Sarin kann auch als ein sog. binärer Kampfstoff verwendet werden: in den Granaten befindet sich nicht Sarin selbst, sondern ein getrenntes Reaktionsgemisch mit geeigneten Reaktionsbeschleunigern. Nach dem Abschuss der Granate vermischen sich die Reaktionspartner und bilden das tödliche Sarin. [Lit. 3]

3. Das Nervengas VX

Dieser extrem giftge Stoff greift wie die Stoffe Sarin, Tabun und Soman das Nervensystem an, ist jedoch noch toxischer. Ein kleiner Tropfen, aufgenommen durch die Haut, verursacht Brechreiz und Krämpfe, um danach schnell zum Tod zu führen. [Lit. 1]

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Literaturempfehlungen

  • Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen.
    Bulletin der Bundesregierung Nr. 44, S. 517-480, vom 26.5.1993
    Presse- und informationsamt der Bundesregierung, Bonn, 1993.
  • M. Meselson, J. P. Robinson (Hrsg.): Chemical Weapons Convention Bulletin. News, Background and Comment on Chemical and Biological Warfare Issues.
    Harvard Sussexx Program on CBW Armament and Arms Limitation,
    Cambride/Mass., USA, Issue No.1 (1988) - Issue No. 35 (1997).
  • J. Badelt: Chemische Kriegsführung - Chemische Abrüstung. Die Bundesrepublik Deutschland und das pariser Chemiewaffen-Übereinkommen.
    Berlin Verlag Arno Spitz GmbH, Berlni 1994.
  • R. Klimmek, L. Szinicz, N. Wegner: Chemische Gift- und Kampfstoffe. Wirkung und Therapie
    Hippokrates Verlag, Stuttagrt 1993.
  • M. Bäsig, H. Gorges, H. Kießlich-Köcher, B. Martin, R. Stohr: Chemische Kampfstoffe und Schutz vor chemischen Kampfstoffen
    Militärverlag der DDR, Berlin-Ost 1977.

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Verwendete Literatur

Die Informationen zu diesem Beitrag wurden entnommen aus:

  1. TIME, Vol. 150 No. 21, 24.11.1997
    Seite 40f
  2. G. Eisenbrand, M. Metzler: Toxikologie für Chemiker: Stoffe, Mechanismen, Prüfverfahren,
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1994.
    Seiten 223, 243.
  3. J. Falbe und M. Regitz (Hrsg.): CD Römpp
    9. erweiterte und überarbeitete Auflage des Römpp Chemie Lexikons auf CD-ROM, Version 1.0
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1995
  4. Der Abschnitt ist wörtlich übernommen von:
    R. Geiger: Internationale Verträge und Organisationen
    C. H. Beck, München 1971, Seite 261f
  5. Informationen der Bundeswehr. [Online]. Available: http://www.bundeswehr.de/sicherheitspolitik/abruestung/waffen.htm. [14.12.97]
  6. Informationen des Auswärtigen Amts. [Online]. Available: http://www.auswaertiges-amt.government.de/3_auspol/6/3-6-4c.htm. [14.12.97]

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